
Es ist unglaublich! Unsere Peerberaterin Mariella ist seit 10 Jahren dabei und schreibt mit jungen Menschen in Krisen. Gestartet hat sie früh, weshalb dies etwas ganz besonderes ist, denn die meisten Peers werden schnell „zu alt“. Zu diesem einzigartigen Anlass wollen wir Sie ehren und haben ihr ein kleines Präsent überreicht. Wir sind aber auch neugierig: Wie hat sie die letzten Jahre in Erinnerung und was hat sie alles mitnehmen können?
Um das herauszufinden hat sie uns zehn Fragen beantwortet:
Erinnerst du dich noch an deinen ersten Tag bei uns?
Ich erinnere mich nicht an unser erstes Team zusammen, ich weiß aber noch
sehr gut, wie sich der erste Ausbildungstag angefühlt hat. Es war einfach ein
zusammenkommen von Menschen, die alle das gleiche Ziel hatten – zu
verstehen, wie man anderen hilft und wie man sie richtig unterstützen kann.
Wenn du auf die letzten zehn Jahre zurückblickst: Worauf bist du besonders
stolz?
Ich bin stolz auf die Entwicklung und die Veränderung die meine Kontakte durchgemacht haben. Sehr viele melden sich bei uns mit dem Ziel, etwas zu verändern
und zu sehen, wie jeder an sich arbeitet, um seine eigenen Ziele zu erreichen,
macht mich besonders stolz.
An welchen Kontakt erinnerst du dich noch am meisten und warum?
Tatsächlich wäre das mein aller erster Kontakt. Nachdem wir einige Zeit
zusammen geschrieben hatten, hat sie sich so dankbar von mir verabschiedet.
Nicht, weil ihre aktuelle schwierige Lebenssituation vorbei war, sondern weil
sie ihre eigene Kraft gefunden hat, weiter zu machen.
Was gibt dir die Kraft, diese wichtige Arbeit seit so vielen Jahren zu
machen?
Die Dankbarkeit der Menschen mit denen ich schreibe. Ich habe so oft
mitbekommen, wie einfach nur schreiben und für jemanden da sein, eine
schwierige Lebenssituation verbessern kann und wenn ich als Zuhörer schon
so einen Unterschied machen kann, ist es mir eine Freude, für Menschen in
einer Krise einfach nur da zu sein.
Wenn du jungen Menschen in einer Krise einen Satz mitgeben könntest –
welcher wäre das?
Jeder Tag bringt etwas neues, also gebt es nicht auf, auf bessere Tage zu hoffen!
Drei Worte, die ein Ehrenamt beschreiben?
Hoffnung, Veränderung, Dankbarkeit
Gibt es etwas, das du Menschen sagen möchtest, die überlegen, sich
ehrenamtlich zu engagieren?
Ehrenämter sind einfach eine gute Sache, da man selber auch voll dabei ist und
das ist genau das, was die Menschen in Not brauchen. Man wird über die Zeit des
Ehrenamtes viel lernen und erleben und selber auch an den Erfahrungen
wachsen. Also traut euch das zu tun, wofür ihr vielleicht selbst schon brennt!
Wie gehst du mit emotional belastenden Themen um? Was hilft dir, gut für
dich selbst zu Sorgen?
Ich erlaube mir selbst, an die belastenden Themen bewusst für eine begrenzte
Zeit am Tag zu denken, denn meine Erfahrung ist, dass Verdrängung mir nicht
bei der Verarbeitung hilft. Und danach mache ich das, was mir selbst gut gefällt
und wobei ich abschalten kann z.B. ein gutes Buch lesen oder mit Freunden
etwas machen. So habe ich das Gefühl, dass ich der Negativität genug Gedanken
geschenkt habe, um beim nächsten mal mehr Resistent dagegen zu sein.
Gab es etwas, was dich in den 10 Jahren besonders überrascht hat?
Tatsächlich, wie viele Anfragen wir immer noch erhalten, wenn wir Kapazität
haben, diese anzunehmen. Jedes Mal denke ich wieder für mich selbst, wie
wichtig es ist, für Menschen, die in einer Krise sind, da zu sein. Der Bedarf mit
anderen zu reden ist einfach immer da.
Was macht dir Hoffnung in deiner Arbeit?
Es gibt mir viel Hoffnung, zu sehen, wie sich Menschen aus eigener Kraft bei uns
melden mit dem Wunsch, stark zu sein und sich Hilfe zu holen und Ihre eigene
Hoffnung wieder zu finden. Wir sehen einfach jeden Tag, wie sehr es Menschen
in Krisen hilft, sie durch schwere Tage zu unterstützen. Und es ist einfach so,
dass wenn man Unterstützung erhält, dass man irgendwann sieht, dass eine
Krise nicht für immer anhält. Man hat eine eigene Kraft alles zu überwinden,
man muss diese nur finden und es ist absolut nichts falsch daran, sich Hilfe von
anderen zu holen. Schließlich sind wir ja alle nur Menschen.
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